16.8. 2025 | Frau, auf einer Bank sitzend

Im Rahmen der 28. Sommerakademie für Bildende Kunst in Dresden malt Barbara Bludau weitere Frauenportraits.

Die Frau ist dunkel gekleidet: Rock und Oberteil wie auch der Hut und die Schuhe. Selbst die Handtasche, die neben der Bank auf dem Boden steht, ist damit abgestimmt. Farblich hat Barbara Bludau dieses Outfit mit einer Mischung von Dunkelbraun und Indigo umgesetzt. Im Kontrast dazu trägt die Frau einen langen, weißen Schal mit einem rosaroten Muster.

Barbara Bludau: Frau auf einer Bank sitzend. – Aquarell, 40×30 cm, 2025

Die Arme sind auf dem Schoß verschränkt, der Blick geht an dem Betrachter vorbei in die Ferne. Die Frau ruht in sich und scheint ihren Gedanken nachzuhängen, als würde sie dort Modell sitzen. Tatsächlich kennen sich Malerin und Portraitierte nicht. Wie im Vorbeigehen ist hier ein Moment der Ruhe eingefangen. Dort, wo Betriebsamkeit der Kulturhauptstadt herrschen sollte, hat Barbara Bludau einzig diese Sitzbank herausgehoben. Die Bank steht im Zentrum von Chemnitz. Es ist Sommer, leicht bewölkt. Möglicherweise macht sich das Hauptstadtjahr auch in solchen Bildern bemerkbar.

Zu dieser Zeit findet im Museum Gunzenhauser eine Ausstellung über die „Neue Sachlichkeit“ statt. Zu den Schwerpunkten gehören Frauenportraits.

  • European Realities“, Realismusbewegungen der 1920er und 1930er Jahre in Europa, Museum Gunzenhauser, Chemnitz

Wenn man so will, kehrt diese Richtung in der bildenden Kunst zu mehr Realismus zurück, nachdem alle Formen der Verfremdung (Impressionismus, Expressionismus usw.) durchgespielt waren. Das gilt auch für die Portraitmalerei.

Das Motiv der Frau auf der Bank könnte direkt aus dieser Ausstellung entsprungen sein. Vergleicht man das dieses Bild mit den Aquarellen, die Barbara Bludau während der Sommerakademie Dresden geschaffen hat, wird das deutlich. Diese Arbeiten beruhen auf Vorlagen der „European Realities“, die Barbara Bludau offenbar motivierten, diese in Aquarelltechnik zu übertragen.

Barbara Bludau: Portrait einer jungen Frau. – Aquarell, 40×30 cm, 2025

Der Hintergrund des Bildes ist dezent in den Farben Graublau (links) und Ocker (rechts) gehalten. Diese Farben wiederholen sich in dem Portrait, das aus Kopf und Brustpartie besteht, wobei die Arme verschränkt und nicht zu sehen sind.

Das Shirt mit V-Ausschnitt und Kragen ist graublau angedeutet. Der Kopf mit brauner Kurzhaarfrisur ist detailliert ausgearbeitet. Der Blick der jungen Frau ist erwartungsfroh. Ob damit das gemeint ist, was sie gerade vor sich sieht oder ob der Blick eine Metapher für das ist, was die Zukunft noch bringen wird?

Für die Nachgeborenen ist es schwer, wegzudenken, dass das Bild in einer Zwischenkriegszeit entstanden ist.

Barbara Bludau: Frau mit Zigarette. – Aquarell, 32×24 cm, 2025

Selbstbewusst schaut die Frau aus, sie scheint jemanden zu fixieren, der ihr gegenübersteht. Der Mund ist halboffen, als hätte sie gerade einen Zug aus der Zigarette genommen. Dem Zeitgeist entsprechend trägt sie eine Kurzhaarfrisur. Blond ist die Haarfarbe, kräftig rot die Lippen.

Die Jacke ist bunt gemustert: gelb, rot, blau wie ein Harlekin. Damit korrespondiert sehr schön der gewählte Hintergrund in Purpur, gemischt aus Violett und Karminrot. Das Bett, auf dem sie sitzt, ist grau gehalten, die Hose dunkelblau.

Barbara Bludau hat hier die Stimmung festgehalten. Ein positives Lebensgefühl, ein Aufbruch nach dem Untergang des Kaiserreichs im Ersten Weltkrieg. Ist der kurze Genuss des Rauchens der Abschluss von etwas, ein Moment der Genugtuung, der durch die Zigarette symbolisiert wird? Belohnung? Die Zigarette war für die Frauen um 1900 ein Zeichen der Emanzipation, ebenso wie Kurzhaarfrisuren und Hosen.

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