12.9. 2025 | Portraits unbekannter Frauen um 1900
Barbara Bludau malt Aquarelle nach Portraits unbekannter Frauen um 1900. Der Anspruch ist, den eigenen Zugang zu den Fotos zu finden und in einem Prozess kenntlich zu machen.
unbekannte Frau aus Ghana um 1880. – nach einer fotografischen Vorlage

Wenn Barbara Bludau fotografische Vorlagen für ihre Portraitmalerei nutzt, so besteht die Zielsetzung nicht darin, dem Original möglichst nahe zu kommen. Das Foto ist nur Ausgangspunkt für eine eigene Interpretation bei der Betrachtung des Bildes. Portraits unbekannter Frauen haben dabei ihren besonderen Reiz.
Das beginnt schon bei der Farbe. Die Vorlagen aus der Zeit um 1900 sind natürlich schwarz-weiß. Im Aquarell leuchten die markanten Ohrringe der Frau aus Ghana golden, die Rüschen im Schulterbereich kräftig rot. Die dunklen Schatten infolge der Belichtung sind im Aquarell aufgehellt. Weitere Merkmale wie die eng am Hals liegende Perlenkette werden weggelassen. Der Hintergrund wird als Himmel in hellblauen und grünen Farben angedeutet. So wird das Portrait aus einem den damaligen technischen Möglichkeiten entsprechenden dunklen Schatten herausgeholt und ins Licht gestellt. Das ist an den Augen sehr deutlich. Auf der Fotovorlage schauen sie vielleicht bedingt durch die langen Belichtungszeiten ist Leere, im Aquarell sind sie sehr wach und auf den Betrachter fixiert. So steht zwischen dem Foto und dem Aquarell die Intention der Künstlerin, ein Gesicht nach ihren Vorstellungen zu malen.
unbekannte Frau. – nach einer fotografischen Vorlage

Die unbekannte Frau (Privatarchiv Mathilde ter Heijne) trägt ein bis an den Hals hoch geschlossenes Kleid, das vorne zugeknöpft ist. Auf dem Kopf wird das Haar von einem schwarzen Tuch gehalten. Der Blick ist in sich gekehrt und streng, vielleicht bedingt durch langes Stillsitzen. Man könnte an eine Frau aus gutbürgerlichem Hause denken, denn sie trägt sie eine Perlenkette und Ohrringe.
Im Aquarell von Barbara Bludau ist das dunkle Kleid oder die Jacke, man sieht nur den Brustbereich, farblich aufgehellt. Das Gesicht leuchtet hell wie vom Sonnenlicht angestrahlt und die Augen sind wach. Die Person ist jetzt nicht mehr kontemplativ, fast abwesend, sondern wach und selbstbewusst wie eine Frau, die weiß, was sie will.
unbekannte Frau aus China, 1907 . – nach einer fotografischen Vorlage

Die alte chinesische Frau aus dem Jahr 1907 trägt ein bis an den Hals hochaufgeschlossenen Kleid und eine Kopfbedeckung, die das Haar komplett verdeckt. Hier kam es der Künstlerin auf das Gesicht an, denn der Brustbereich ist weggelassen oder nur vage mit einigen Pinselstrichen angedeutet. Barbara Bludau hat das Gesicht ist mit ockerfarbenen Tönen aus dem Schatten herausgeholt. Große Übereinstimmung gibt es bei der Augenpartie. Die Augen sind fest auf den Betrachter gerichtet.